Psoriasis(-Arthritis): so stellt der Arzt die Diagnose

Diagnose


Der Arzt erkennt Schuppenflechte (Psoriasis) anhand der typischen Hautveränderungen: Die silbrig glänzenden Schuppen und die roten Flecken weisen meist eindeutig auf diese Diagnose hin.1 Neben einer körperlichen Untersuchung und speziellen Messverfahren wie PASI (Psoriasis Area and Severity Index) oder DLQI (Dermatologischer Lebensqualitäts-Index) sind manchmal aber auch Laboruntersuchungen notwendig.2 Bei einer Psoriasis-Arthritis können zudem bildgebende Verfahren die Diagnose sichern und Aussagen über den Schweregrad der Erkrankung liefern.3

Diagnosemöglichkeiten auf einen Blick:

 

Vorgehensweise bei der Psoriasis-Diagnose: Befragung des Patienten

Psoriasis Info Symbolgrafik Diagnose

Erster Schritt bei der Diagnose von Schuppenflechte ist die Anamnese. Das heißt, der Arzt befragt den Patienten beispielsweise nach

  • aktuellen Beschwerden,4
  • Lokalisation der Symptome,4
  • möglichen Hauterkrankungen in der Familie4 und
  • Faktoren, die die Beschwerden verschlimmern oder bessern.4

Dem Arzt sollte ebenfalls mitgeteilt werden, ob Begleiterkrankungen wie z.B. Bluthochdruck vorliegen und Medikamente eingenommen werden. Durch die gewonnenen Erkenntnisse kann der Arzt die Beschwerden besser einschätzen und über weitere Diagnosemöglichkeiten bei Psoriasis entscheiden.4

 

Diese Anzeichen lassen auf die Diagnose Schuppenflechte schließen

Zu Beginn der körperlichen Untersuchung begutachtet der Hautarzt die fleckenförmigen, entzündeten Hautveränderungen (sogenannte Plaques) ganz genau. Patienten sollten den untersuchenden Arzt auf versteckte Stellen hinweisen. So können sich Plaques beispielsweise auf der Kopfhaut, am Bauchnabel oder im Po- und Genitalbereich verbergen. Auch Finger- und Fußnägel wird sich der Hautarzt ansehen, da eine Nagelpsoriasis bei vielen Betroffenen zusätzlich zu den schuppenden Hautbereichen auftritt.5

Bei Verdacht auf Psoriasis kann der Dermatologe die schuppigen Plaques vorsichtig mit einem Holzspatel abschaben. Zeigen sich dann folgende Erscheinungsbilder, kann die Diagnose Schuppenflechte gestellt werden1:

  • Kerzenfleckphänomen: Die durch das Kratzen abgelösten Schuppen erinnern an Kerzenwachs.1
  • Phänomen des letzten Häutchens: Unter den Schuppen tritt ein glänzendes dünnes Häutchen zum Vorschein.1
  • „Blutiger Tau“: Wird das dünne Häutchen entfernt, kommt es zu punktförmigen Blutungen aus den feinen Blutgefäßen.1

In Einzelfällen veranlasst der Hautarzt zur Absicherung der Diagnose Schuppenflechte die Analyse einer Gewebeprobe (Biopsie). Hierzu entnimmt er unter örtlicher Betäubung eine kleine Hautprobe, die dann unter dem Mikroskop auf die Psoriasis-typischen Veränderungen untersucht wird.2

 

Wichtig:

Laien können die Symptome von Schuppenflechte mit einem Ekzem oder einer Pilzinfektion der Haut verwechseln. Deshalb sollte man bei Rötungen der Haut, Juckreiz und Schuppen unbedingt zum Facharzt gehen.1

 

Psoriasis-Arthritis: Möglichkeiten der Diagnose bei Gelenkbeschwerden

Bei etwa 30 Prozent aller Schuppenflechte-Patienten kommt nach einigen Jahren zudem eine entzündliche Gelenkerkrankung hinzu. Mediziner sprechen von einer Psoriasis-Arthritis.6Typisch sind dann Schwellungen der Gelenke – vor allem der Finger und Zehen.3 Zudem können schon kleinere Bewegungen Schmerzen verursachen und Betroffene berichten von einer morgendlichen Steifheit ihrer Gelenke.7 Gerade bei Patienten, die bspw. an Nagelpsoriasis oder Schuppenflechte an der Kopfhaut leiden, ist das Risiko für eine Gelenkbeteiligung erhöht.8 Wenn Sie solche Symptome bemerken, sollten Sie daher unbedingt einen Arzt aufsuchen. Er stellt die Diagnose Psoriasis-Arthritis vor allem anhand einer ausführlichen Befragung sowie körperlichen Untersuchung (zum Beispiel im Hinblick auf Bewegungseinschränkungen oder Schmerzempfindlichkeiten bei Druck auf Gelenke).7

Zusätzlich können bei Verdacht auf eine Psoriasis-Arthritis

  • Laboranalysen (zum Beispiel Vorliegen des Rheuma-Faktors),3
  • Röntgenuntersuchungen,3
  • Ultraschall,3
  • Gelenkszintigraphie3 (bildgebendes Verfahren, mit dem Knochenschädigungen festgestellt werden können) sowie eine
  • Magnetresonanztomografie (MRT)3

zum Einsatz kommen, um die Diagnose zu sichern. Diese ist sehr wichtig, damit die Krankheit richtig behandelt und eine dauerhafte Schädigung der Gelenke verhindert werden kann.

 

Gut zu wissen:

Erschwert wird die Diagnose bei einer Psoriasis-Arthritis durch die Ähnlichkeit zu anderen entzündlich rheumatischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder Morbus Bechterew.1 Umso wichtiger ist es, dass Hausärzte, Dermatologen und Rheumatologen bei der Diagnosestellung eng zusammenarbeiten. Aber auch Sie als Patienten sollten aktiv mitarbeiten: Falls Sie bei sich Symptome bemerken, die dem Arzt nicht auffallen könnten, sollten Sie diese bei der körperlichen Untersuchung aktiv mitteilen.

 

Einteilung der Psoriasis in Schweregrade

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Ärzte unterscheiden bei der Diagnose der Schuppenflechte die Schweregrade leichte Psoriasis und mittelschwere bis schwere Psoriasis.9

Die Einteilung basiert auf international anerkannten Messverfahren, um den Schweregrad einer Schuppenflechte zu bestimmen. Die körperlichen Beschwerden werden oft mit dem Psoriasis Area and Severity Index (PASI) gemessen. Zudem lässt sich mit dem BSA-Test (Body Surface Area) grob der Anteil der Körperfläche erfassen, der von Psoriasis bedeckt ist. Die krankheitsbedingten Einschränkungen der Lebensqualität des Patienten ermittelt der Arzt mit dem Dermatologischen Lebensqualitäts-Index (DLQI).9

Dabei erfolgt die Einstufung in leichte Psoriasis und mittelschwere bis schwere Psoriasis nach diesem Model:9

  • Wenn alle drei Scoring (Mess)-Verfahren – also BSA, PASI und DLQI – einen Wert von 10 oder niedriger aufweisen, sprechen Mediziner von einer leichten Schuppenflechte. 9
  • Wenn BSA oder PASI höher als 10 sind und gleichzeitig der DLQI- Wert über 10 angesetzt ist, liegt eine mittelschwere bis schwere Schuppenflechte vor.9

Um den Schweregrad bei der Diagnose der Psoriasis realistisch bewerten zu können, sind Hautärzte darauf angewiesen, dass Patienten die Alltagsbelastungen ihrer Schuppenflechte-Erkrankung offen darlegen. Denn die Einteilung entscheidet über die weitere Behandlung: Je nach Schweregrad entscheiden Hautärzte, welche Medikamente und Wirkstoffe zum Einsatz kommen.9

 

Schuppenflechte: Schweregrad und Lebenswirklichkeit – immer übereinstimmend?

Die Einteilung kann die Lebenswirklichkeit von Patienten nur bedingt einfangen. Jeder Psoriasis-Patient entwickelt seine „eigene“ Schuppenflechte.10

Schließlich lässt sich der Leidensdruck, der mit einer Schuppenflechte einhergeht, nicht messen – weder die Stigmatisierung noch die Diskriminierung, die viele Betroffene aufgrund der Schuppen und entzündlichen Plaques erleiden. Die negativen Auswirkungen auf Berufsleben, Alltag, Lebensplanung und Liebesbeziehungen, die sich im Laufe des Lebens anhäufen, sind kaum fassbar.10

 

Messverfahren zur Einstufung des Schweregrads: PASI, NAPSI, DLQI und Co.

Neben PASI und DLQI verwenden Hautärzte auch den NAPSI-Fragebogen (Nail Psoriasis Severity Index). Mithilfe dieser sogenannten Scores lässt sich sowohl der Hautzustand als auch die Beeinträchtigung der Lebensqualität bestimmen.11 Bei der Diagnose und Einstufung von Psoriasis-Arthritis sollen außerdem die CASPAR-Kriterien(Classification Criteria for Psoriatic Arthritis)12 helfen. Je nach Ergebnis kann der Arzt zwischen unterschiedlichen Behandlungen wählen. Wie funktionieren die Scoring-Verfahren?

 


Erstelldatum 09/2020 I AT2009854553